Unabhängiges Magazin über alte Periodika und darüber, wie man sie liest. Keine Redaktion, kein Verlag und keine Bibliothek; ohne Verbindung zur früheren Website unter dieser Domain.

Analysen

Analysen

Die Seite einer alten Zeitung wirkt wie eine einzige Textfläche, folgt aber einer strengen eigenen Logik. In dieser Rubrik zerlegen wir die Seite in ihre Teile, erklären, wozu jeder davon dient, und zeigen, wie Sie am Abdruck selbst erkennen, mit welchem Verfahren eine Illustration gedruckt wurde. Die Analysen beschreiben das allgemeine Prinzip und passen auf die meisten alten Zeitungen und Zeitschriften, ohne auf den Inhalt bestimmter Blätter einzugehen.

Eine Seite liest man von oben nach unten und von links nach rechts – doch die Redaktion zeigte dem Auge stets, wo es verweilen sollte.

— Aus der Redaktion

Eine Seite im Detail: so ist eine alte Zeitungsseite aufgebaut

  1. Zeitungskopf

    Der groß gesetzte Titel oben auf der ersten Seite, oft mit Ornament oder Rahmen. Seine Gestaltung änderte sich im Lauf der Zeit, was hilft, Ausgaben verschiedener Jahrgänge desselben Blattes zu unterscheiden.

    Sieht der Kopf auf Ihrer Seite anders aus als in den benachbarten Ausgaben, prüfen Sie das Impressum: Vielleicht haben Sie einen anderen Jahrgang oder ein anderes Blatt vor sich.

  2. Impressum

    Unter dem Kopf oder am Ende der Ausgabe: Jahrgang, Nummer, Datum, manchmal Auflage und Anschrift. Das ist der Ausweis der Seite, mit dem jede Beschreibung beginnen sollte.

  3. Spalten und Linien

    Der Text ist in schmale Spalten gegliedert, getrennt durch feine Linien. Breite und Zahl der Spalten hängen vom Format ab; die Linien zeigen, wo eine Meldung endet und die nächste beginnt.

  4. Rubriken und Überschriften

    Feste Rubriken bündeln gleichartige Meldungen – Nachrichten, Briefe, Mitteilungen. Die Größe der Überschrift verrät, welchen Beitrag die Redaktion für den wichtigsten der Ausgabe hielt.

  5. Unter dem Strich

    Der untere, durch eine Linie abgetrennte Teil der Seite. Dort standen oft Feuilleton, Erzählung oder die Fortsetzung eines langen Textes mit dem Vermerk, dass der Schluss in den folgenden Ausgaben erscheint.

  6. Anzeigen und Bekanntmachungen

    Sie sind meist auf den letzten Seiten gesammelt und klein in mehreren Spalten gesetzt. Hier sprechen Privatleute und Geschäfte – besonders wertvoll für alle, die den Alltag erforschen.

So erkennen Sie das Druckverfahren einer Illustration

VerfahrenWoran man es erkenntWas zu beachten ist
HolzstichDas Bild besteht aus Linien und Schraffuren; unter der Lupe sieht man klare Striche unterschiedlicher Stärke, und Tonwerte entstehen allein durch die Dichte der Linien.Oft handelt es sich um eine vom Stecher übertragene Zeichnung, daher können Details vereinfacht oder ergänzt sein.
LithografieWeiche Tonübergänge und eine körnige Struktur, als sei das Bild mit Bleistift gezeichnet; die Linien haben keine scharfe Kante.Lithografien wurden häufig getrennt vom Text gedruckt und der Ausgabe beigelegt, deshalb können sie im Sammelband fehlen.
StrichätzungStrichzeichnung oder technische Zeichnung, fotografisch auf eine Zinkplatte übertragen: saubere Linien ohne Spuren von Handarbeit.Die Zeichnung wird exakt wiedergegeben, weiche Halbtöne lassen sich so aber nicht drucken – das Bild bleibt linear.
RasterdruckUnter der Lupe zeigt sich ein Netz feiner Punkte unterschiedlicher Größe; so werden Fotografien auf der Zeitungsseite wiedergegeben.Auf grobem Papier verlaufen die Punkte und das Foto verliert Details; verwechseln Sie das nicht mit einer Beschädigung des Blattes.
  • Geschichte

    Die russische Rechtschreibreform und wie sich das Erscheinungsbild der Zeitschriftenseite nach und nach veränderte.

  • Menschen

    Redakteur, Korrektor, Setzer, Metteur, Illustrator und Abonnementabteilung – wer eine Ausgabe für den Druck vorbereitete.

  • Lesewege

    Drei Lesewege: für den ersten Einstieg, für Familienforscher und für alle, die einen Sammelband zu Hause aufbewahren.

  • Veranstaltungen

    Ausstellungen zu Periodika, Tage der offenen Magazine, Vorträge über Druckgrafik und Papierrestaurierungskurse – und wie Sie eine Ankündigung prüfen.

  • Beiträge

    Sechs Themen des Magazins – vom Aufbau einer Ausgabe bis zur Aufbewahrung des Sammelbands – und der Beitragskatalog der deutschen Version.

Quellen

  • Redaktionelle Beiträge des Magazins Retropressa
  • Leitfäden von Bibliotheken zur Aufbewahrung von Papierdokumenten

Die Angaben zur russischen Rechtschreibreform stützen sich auf Nachschlagewerke; alles Übrige beschreiben wir allgemein, ohne Bezug auf bestimmte Blätter. Öffnungszeiten von Lesesälen, Ausstellungen und Vorträgen erfragen Sie bitte bei den Veranstaltern.