Geschichte
Zur Geschichte
Wer zum ersten Mal eine alte Ausgabe aufschlägt, bemerkt meist sofort zweierlei: eine ungewohnte Schreibweise und ein ungewohntes Seitenbild. Das Erste geht bei russischen Blättern auf die Rechtschreibreform zurück, für die es genaue Daten gibt. Das Zweite beruht auf allmählichen Veränderungen in Satz, Druck und Umbruch, die sich lange hinzogen und sich in keine einzelne Zeitleiste fassen lassen. Deshalb beziehen sich die Daten auf dieser Seite nur auf die Rechtschreibung; über das Erscheinungsbild der Zeitschriften sprechen wir allgemein.
Die Buchstaben verschwanden aus dem Alphabet, blieben aber auf den alten Seiten – und sie zu lesen ist viel leichter, als es scheint.
Zeitleiste
- 1917
Die russische Rechtschreibreform wird angekündigt. Die Buchstaben Jat, Fita und das „dezimale I“ sollen aus dem Alphabet verschwinden; an ihre Stelle treten die Buchstaben für E, F und I. Das Härtezeichen wird am Ende von Wörtern und Wortteilen in Zusammensetzungen nicht mehr geschrieben.
- 1918
Am 10. Oktober 1918 schreibt ein Dekret die neue Rechtschreibung für den Druck verbindlich vor. Das Härtezeichen bleibt nur noch als Trennzeichen erhalten, etwa im Wort podjom („Aufstieg“). Ausgaben, die früher erschienen, sind daher in der Regel nach den alten Regeln gesetzt.
Wie sich das Bild der Zeitschrift wandelte
Frühe Zeitschriften erinnerten eher an Bücher: dichter Satz in einer oder zwei Spalten, ein schlichter Titel, seltene Illustrationen, die oft separat gedruckt und eingeklebt wurden. Man las eine solche Ausgabe in Ruhe von vorn bis hinten, und die Redaktion baute sie als fortlaufende Lektüre auf.
Mit der Zeit wurde die Seite vielfältiger. Es kamen mehr Spalten hinzu, große Überschriften, Rubriken mit festen Namen, Rahmen und Linien, die einen Beitrag vom nächsten trennten. Die Zeitungsseite wurde zu einer Landkarte, auf der das Auge schnell findet, was es sucht.
Auch die Illustrationen veränderten sich. Die in einen Stich übertragene Zeichnung wich der Lithografie und später der Fotografie, die man schließlich zusammen mit dem Text drucken konnte. Jedes neue Verfahren hinterließ seine Spuren auf der Seite, und an ihnen lässt sich ungefähr ablesen, aus welcher Zeit eine Ausgabe stammt.
Ein eigenes Kapitel ist das Papier. Billiges Holzschliffpapier ermöglichte hohe Auflagen, vergilbt aber schnell und wird brüchig. Deshalb sind viele alte Ausgaben heute empfindlich und verlangen besonders behutsamen Umgang.
- Analysen
Woraus sich eine Seite einer alten Zeitung zusammensetzt und wie man am Abdruck das Druckverfahren einer Illustration erkennt.
- Menschen
Redakteur, Korrektor, Setzer, Metteur, Illustrator und Abonnementabteilung – wer eine Ausgabe für den Druck vorbereitete.
- Beiträge
Sechs Themen des Magazins – vom Aufbau einer Ausgabe bis zur Aufbewahrung des Sammelbands – und der Beitragskatalog der deutschen Version.
- Alte Ausgaben (auf Russisch)
Hinweis zur Archivadresse: wo man alte Zeitschriftenausgaben findet und wie man sie liest.
- Archiv
Das Inhaltsverzeichnis des Magazins und eine Erklärung, was aus den alten Adressen dieser Domain geworden ist.
Quellen
- Nachschlagewerke zur russischen Rechtschreibreform
- Redaktionelle Beiträge des Magazins Retropressa
Die Angaben zur russischen Rechtschreibreform stützen sich auf Nachschlagewerke; alles Übrige beschreiben wir allgemein, ohne Bezug auf bestimmte Blätter. Öffnungszeiten von Lesesälen, Ausstellungen und Vorträgen erfragen Sie bitte bei den Veranstaltern.